ÖRK ruft zum Schuldenerlass für Haiti auf

"Haiti zu verpflichten, Schulden auf Kosten von Gesundheitsversorgung, Bildung und anderer wichtiger Sozialprogramme zurückzuzahlen, ist unrechtmäßig." Foto: Paul Jeffrey/ACT
Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit, hat die internationale Gemeinschaft zum Schuldenerlass für Haiti aufgerufen.
Ein "sofortiger und vollständiger" Schuldenerlass für Haiti wäre "nur ein erster Schritt"; das vom Erbeben heimgesuchte Land brauche einen umfassenderen "Plan für Wiederaufbau, Armutsbeseitigung und nachhaltige Entwicklung", sagte Tveit in einer Erklärung am 25. Januar.
Ein solcher Plan "muss in voller demokratischer Eigenverantwortung des haitianischen Volkes und mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft unter der Koordinierung der Vereinten Nationen entwickelt werden", erklärte er.
Neben Schuldenerlass und kurzfristiger Nothilfe brauche Haiti "mittel- und langfristigen Wiederaufbau". "Die finanzielle Hilfe sollte jedoch als Zuwendung, und nicht in Form von Darlehen gegeben werden, die lediglich eine stärkere Verschuldung für das Land bedeuten würden", heißt es in der ÖRK-Erklärung.
Die Erklärung Tveits fiel mit der eintägigen Konferenz zusammen, die die kanadische Regierung zu Gesprächen über den Wiederaufbau Haitis ausgerichtet hatte. Außenminister aus über einem Duzend Ländern, insbesondere der USA und Frankreichs, haben zusammen mit acht internationalen Einrichtungen, darunter Banken und sechs große Nichtregierungsorganisationen, an der Tagung in Montreal teilgenommen. Eine größere Konferenz zum langfristigen Wiederaufbau Haitis ist für die kommenden Monate geplant.
Tveit beabsichtigt, die Botschaft, dass der Wiederaufbau Haitis von "einem aufrichtigen Geist der Gerechtigkeit und Fürsorge" bestimmt sein müsse, vor das Weltwirtschaftsforum in Davos, Schweiz, zu bringen, an dem er in dieser Woche teilnehmen wird. Auf dem Forum ist Zeit zur Besprechung der Situation in Haiti vorgesehen.
Haiti, das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, ist stark verschuldet. Obwohl ihm im vergangenen Juni von internationalen Finanzinstitutionen rund 1,2 Milliarden US-Dollar Schulden erlassen worden sind, schuldet Haiti Staaten und multilateralen Banken noch immer circa 641 Millionen US-Dollar. Auch ist vorgesehen, dass Haiti in diesem Jahr rund 10 Millionen US-Dollar an den Weltwährungsfonds zurückzahlt.
"Bei dem Großteil dieser von Haiti akkumulierten erdrückenden Schulden handelt es sich offenkundig um unmoralische Schulden", sagte Tveit, da mehr als die Hälfte "auf Darlehen an die brutale Vater-Sohn-Diktatur von François (‚Papa Doc’) und Jean-Claude Duvalier zurückgehen" und "dem Volk von Haiti nicht zugute gekommen sind".
"Haiti zu verpflichten, Schulden auf Kosten von Gesundheitsversorgung, Bildung und anderer wichtiger Sozialprogramme zurückzuzahlen, ist unrechtmäßig. In dieser Zeit unglaublicher Not und Zerstörung Schulden einzufordern, ist moralisch nicht zu vertreten", betonte Tveit.
"Die Lage in Haiti erfordert nichts weniger als Gerechtigkeit und Fürsorge", schloss er seine Erklärung.
Vollständiger Text der ÖRK-Erklärung zu Haiti (auf Englisch)
ÖRK-Mitgliedskirchen in Haiti und ökumenische Reaktion
Mehr Informationen über die ökumenische Reaktion durch das ACT-Bündnis (auf Englisch)
Hintergrund informationen zu Haitis Auslandsschulden (auf Englisch)


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